Erste Schritte im neuen Zuhause
Erste Schritte im neuen Zuhause

Erste Schritte im neuen Zuhause

Der Aufbau

Ein wunderbarer Start für eine harmonische Beziehung ist es, sich bei Ankunft im neuen Heim zusammen mit dem Welpen in Ruhe auf den Boden zu setzen. Die eigene Ruhe überträgt sich auf den Hund und nimmt ihm schon mal die erste Aufregung. Hat sich der Welpe etwas gefangen und wird neugierig, erkunde mit ihm ZUSAMMEN die Wohnung.

Zeige ihm, wo sein Schlafplatz ist. Sein Futterplatz. Führe ihn durch jeden Raum. Wenn eine Vase gerade furchtbar interessant ist setz dich zu ihm, beobachte mit ihm zusammen. Im gleichen Zusammenhang mache ihm auch klar, dass Schuhe Tabu sind und die Tapete genauso.

Vom ersten Tag an

Regeln schaffen Sicherheit und man weiß, woran man ist. Hunde WOLLEN und BRAUCHEN Regeln – vom ersten Tag an! Die Arbeit im Haus erleichtert auch später die Arbeit draußen, ein sauberes Abbruchsignal bewahrt beim Gassi viel Frust – zum Beispiel wenn der Hund die alte, schimmelige Salami auf dem Gehweg gerade unwiderstehlich findet.

Vom ersten Tag an wird dem Welpen also gezeigt, was „Meins“ und was „Deins“ ist. Sollte er sich an Dingen zu schaffen machen, an die er nicht dran soll, folgt ein „Nein“ oder „Äh äh“ (= Abbruchsignal) und es wird ihm eine Alternative geboten, z. B. sein Spielzeug. Räume diese „verbotenen“ Dinge NICHT weg, sondern arbeite konsequent an deinem Abbruchsignal. Der Welpe wird schnell verstehen, dass gewisse Dinge für ihn einfach Tabu sind.

Schauen wir uns die ersten Wochen in der neuen Heimat einmal zusammen an.

Woche 1:

„Mein Welpe ist stubenrein – er macht dir in die Stube rein!“

Foto: Kathrin Uhe

Der nächste „Arbeitsschritt“, auf den du deinen Fokus legst, wäre die Stubenreinheit. Hunde sind von Natur aus sehr reinliche Tiere und beschmutzen im Normalfall nicht ihr „Nest“ – allerdings hat ein Welpe noch nicht wirklich Kontrolle über seine Blase oder den Darm.

Die Faustregel lautet: Nach JEDEM Schlafen, Spielen, Fressen und sowieso spätestens alle 2 Stunden muss dein Welpe raus.

Hier reicht es auch völlig, ihn einfach kurz auf ein Stück Wiese zu setzen (oder ihn in den Garten zu lassen) und nach erledigtem Geschäft wieder rein zu gehen. Erstens schafft dein ein paar Wochen alter Hund noch keine längeren Spaziergänge und zweitens ist die Welt „da draußen“ gerade noch viel zu spannend und aufregend, was ihn überfordern könnte. Eure Beziehung wird von Tag zu Tag enger werden und wenn es in die „große Welt“ hinaus geht, weiß dein Welpe, an wen er sich vertrauensvoll wenden kann – nämlich an dich.

Woche 2:

Nach müd‘ kommt blöd

Foto: Kathrin Uhe

Ein ausgewachsener Hund schläft oder döst bis zu 20 Stunden am Tag – Welpen brauchen sogar noch mehr! Bis zu 22 Stunden sind hier völlig normal und man sollte unbedingt auf Ruhezeiten bestehen, denn im Schlaf werden Erlebnisse verarbeitet und Gelerntes gefestigt. Viele Welpen wissen nicht von selbst, wann Schluss ist und bekommen dann ihre berühmten „5 Minuten“. Was witzig aussieht oder den Mensch sogar vielleicht noch animiert, den Hund ERST RECHT „auszupowern“, ist ein deutliches Zeichen, dass es dem Welpen zu viel Action war und er übermüdet ist. In guter Intention wird der kleine Hund also mit in den Baumarkt genommen, damit er sich an den Trubel gewöhnt. Wir fahren fleißig Bus und Bahn, schließlich soll er das ja später problemlos können. Wir buchen noch vor Ankunft des Welpen einen Platz in der Hundeschule, in die wir auch pflichtbewusst vom Tag 1 an fahren. Und das alles wird dem Welpen im Abstand von vielleicht ein paar Stunden präsentiert. Stopp!

Plane deinen ersten „richtigen“
Spaziergang ruhig erst 2 Wochen nach Ankunft ein und genieße bis dahin die Zeit mit ihm alleine!

Die Aufnahmefähigkeit des Welpengehirnes beträgt gerade mal ein paar Minuten – sprich: Schon eine langsame Runde durch den Garten strapaziert den kleinen Kopf unheimlich! Auch wenn aus menschlicher Sicht nicht viel passiert – alleine neue Gerüche aufzunehmen und unbekannte Geräusche in der Ferne wahrzunehmen gehören zum Lernen schon dazu. WENIGER ist MEHR! Neue „Programmpunkte“ sollten maximal 1x täglich stattfinden. Eine wunderbare Übung wäre, dem Hund seinen Namen beizubringen, auf Rufen zu kommen und weiterhin „Meins“ und „Deins“ zu festigen. Alles Dinge, die man später garantiert draußen braucht und die sicher sitzen müssen.

Woche 2-5:

Leinen los!

Die Welt da draußen ist immer noch wahnsinnig aufregend, an jeder Ecke wimmelt es von Gerüchen und Dingen, die man zum ersten Mal sieht: Mülltonnen, Laternen, Straßenschilder, andere Menschen und Hunde. Hier machen die meisten leider einen entscheidenden Fehler: Der Welpe darf von links nach rechts fröhlich an der Leine ziehen, er entscheidet, wohin er will. Schließlich ist es noch ein „Baby“, da darf er das ja noch…

Auch Welpen können vom ersten Moment an lernen, wie man ordentlich an der Leine geht. Wenn mit der Leinenführigkeit vom allerersten Augenblick an gearbeitet wird, erleichtert das später vieles ungemein. Natürlich kann man nicht erwarten, dass man mit einem Welpen an der Leine zügig durch die Straßen schlendert – man nimmt sich auf jeden Fall Zeit, wenn der Hund gerade Eindrücke verarbeitet, bleibt auch gerne mal ein Weilchen stehen. Da können 10 Meter auch gerne mal 10 Minuten dauern und das ist absolut okay – und wichtig! Wenn ihr das Glück habt, ein Feld oder eine freie Wiese in der Nähe zu haben – super! Welpen haben bis zum ca. 5. Lebensmonat den sogenannten Folgetrieb.

Qualität vor Quantität: Lieber nur 2x ein gut sitzender Abruf als 10x den Namen rufen ohne eine Reaktion vom Hund. Auch bei der Länge des Spaziergangs darauf achten: Faustregel ist 1 Minute pro Lebenswoche (oder 5 Minuten pro Lebensmonat).

Heißt, er folgt einer vertrauten Bezugsperson überall hin. Diesen Folgetrieb kannst und solltest du nutzen, um dem Hund beizubringen, sich an DIR zu orientieren. Du zeigst ihm die Welt, ihr geht zusammen eure Wege. Während des freien Spaziergangs kann man auch wunderbar den Abruf und die Reaktion auf den Namen festigen.

Ab Woche 6:

Warte mal kurz…

Foto: Nadine Pfeiffer

Die Welt und deren Alltag ist frustrierend. Wir müssen warten, wenn wir an der Supermarktkasse stehen, bis wir dran sind. Wir müssen warten, bis der Bus kommt. Wir müssen auf unser Essen warten, wenn wir es beim Lieferdienst bestellen. Wir haben allerdings gelernt, mit dieser Wartezeit umzugehen und schmeißen uns nicht (mehr 😉 ) schreiend auf den Boden, wenn wir etwas nicht gleich bekommen. Auch dein Welpe muss erst lernen, wie man mit Frust und Warten umgeht! Im “Hundealltag” gibt es nämlich genauso viele Warte-Szenarien: Der Hund soll warten, während wir uns mit einer Gassibekanntschaft unterhalten. Der Hund soll warten, bis die Ampel auf Grün umspringt. Der Hund soll warten und brav unter dem Tisch liegen, während wir im Café sitzen.

Eine einfache und sehr effektive Übung, die ab der 16. Woche angefangen werden kann, ist das sogenannte „Deckentraining“. Der Hund bekommt einen Platz zugewiesen, auf dem er für einige Zeit verweilen soll. Klingt einfach und simpel? Probiere das mal mit einem quirligen Welpen! Der Aufbau ist leicht – Decke oder Hundebett auslegen, Welpen auf den Platz setzen und sobald er versucht, den Platz zu verlassen, wieder zurückbringen.

Nimm dir die Zeit, die es braucht, damit es weniger Zeit braucht.

Nadine Pfeiffer

Am Anfang tut man sich leichter, wenn man dem Hund eine leichte Schlupfleine umlegt, mit der er wieder auf seinen Platz geführt werden kann. Am besten macht man diese Übung komplett OHNE Kommandos – kein “Bleib”, kein “Nein”, kein “Sitz”, kein “Platz”. Du nutzt einfach deine Präsenz, deinen Körper. Der Welpe lernt so, deine Körpersprache zu lesen und auf dich zu achten. Wichtig bei dieser Übung: Du hörst erst auf, wenn dein Welpe zu 100% verstanden hat, dass er NICHT von der Decke runter soll! Danach kannst du die Übung auflösen und den Hund wieder von der Decke führen. Mit steigendem Alter kannst du ihn auch ein paar Minuten auf seinem Platz liegen lassen. Später wirst du einen Hund haben, der sich ohne zu murren ablegt und wartet, egal wo ihr seid.

Ab Woche 8:

Hilfe! Gespenster!

Der Name und der Abruf sitzen, dein Welpe achtet draußen auf dich, er hat gelernt auf einem Platz zu warten und entwickelt sich großartig – doch über Nacht hat jemand EINFACH SO eine MEGA GRUSELIGE Mülltonne in den Weg gestellt, die NOCH NIE vorher da war! Und plötzlich haut Welpi die Bremse rein, du hast Mühe ihn weiter zu bewegen…

Willkommen in der “Angstphase”. Diese sensible Phase ist ganz normal im Entwicklungsschritt eines Hundes und besonders wichtig, um eventuelle Ängste nicht noch zu verstärken. Als Besitzer muss man hier den Schritt zwischen “cool bleiben” und “Hund Sicherheit geben” penibel genau abwägen. Am Beispiel der Mülltonne wäre es hier sinnvoll, den Welpen mit seinem Namen und einem Lächeln zu sich einzuladen und dabei so tun, als würde die Tonne gar nicht dastehen. Sobald der Welpe einen Schritt auf dich zugeht, gehst du weiter. Bitte nicht mit der Einstellung “Da muss er durch! Der soll sich nicht so anstellen!” an solche Sachen rangehen – dein Hund hat in diesem Moment WIRKLICH Angst oder ist unsicher! Und genau das sind die Momente, in denen er lernt, ob man dir vertrauen kann oder nicht, ob du ihn ernst nimmst. Und wie du mit solchen Situationen umgehst.

Und bei allem was ihr tut, seid: „Liebevoll, Konsequent!“

Nancy Leetz-Rosenbohm (Züchertin: Welsh Corgis vom Kalimandscharo)

Mutige Welpen kann man einladen, sich die Tonne zusammen anzusehen. Dazu hockst du dich einfach in die Nähe des “Gespenstes”, lädst deinen Hund wieder zu dir ein und nimmst ihn am besten zwischen deine Beine. So gibst du ihm Sicherheit und er kann sich in Ruhe das “gruselige Ding” mit dir anschauen. Hier gilt: Je entspannter du bleibst, desto entspannter ist dein Hund! Wenn er merkt, dass du selbst keine Panik davor hast, wird er diese Einstellung übernehmen.

Nadine Pfeiffer


© Fotos: Frech-Fuchs Photographie
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Ah, ah, ahhh, du hast das Zauberwort vergessen.

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